Seit dem Jahr 1989 – also seit über 20 Jahren – ernähre ich mich fleischlos. Dabei bin ich weder vor Schwäche verstorben noch leide ich an Mangelerscheinungen. Ich trage Lederschuhe, esse Eier und trinke Milch. Ich versuche niemanden zum Vegetarismus zu bekehren (und dieser ist auch nicht ansteckend).
Dennoch habe ich meine Gründe, warum ich die Ernährung so umgestellt habe, dass weder Fleisch noch Fisch auf dem Tisch landet. Und diese möchte ich hier kurz darlegen – vielleicht fällt es so manchem »Fleischfesser« dadurch leichter nachzuvollziehen, warum ich »Körnerfresser« bin… Zudem möchte ich zeigen, dass nicht alle Vegetarier missionierende Ökos sind – ein Vorurteil auf das man leider immer wieder stößt.
Der Hauptgrund – und gleichzeitig jener der am meisten Unverständnis hervorruft – ist so einfach wie banal. Ich mag Fleisch nicht besonders. Weder den Geschmack noch die Konsistenz sprechen mich im Allgemeinen besonders an. Ich mag übrigens auch keine Pilze. Gleicher Grund: schmeckt (mir) nicht und ich mag das Gefühl beim Draufbeißen nicht. Das war schon so als ich noch ein kleiner Junge war (okay, ich hatte auch meine Schnitzelphase) und hat sich bis heute gehalten. Dabei gab es durchaus einige Fleischgerichte, die ich gerne mochte, z.B. Kalbsrouladen von meinem Vater oder gebratenen Lachs. Auch Salami mochte ich gerne, während man mich mit anderen Wurstsorten (vor allem Blut- und Leberwurst) jagen konnte.
Insgesamt habe ich Fleisch aber nie wirklich gerne gegessen. In der Pubertät habe ich mich dann ein wenig intensiver mit dem Thema auseinandergesetzt, Studien gelesen und schließlich beschlossen, auf Fleisch ganz zu verzichten. Das war wesentlich schwerer als angenommen – was nicht am eigenen Willen und auch nicht am Verständnis in der Familie lag (meine Eltern und meine Schwester ernähren sich heute ebenfalls fleischlos). Die Mutter eines guten Freundes aber beispielsweise konnte es gar nicht fassen, dass man freiwillig auf Fleisch verzichten möchte. Sie meinte es bestimmt nur gut, als sie mir in der Folge heimlich immer etwas rohes Rindfleisch in Suppen oder Saucen pürierte…
Auch in Restaurants war und ist es nicht immer einfach. Ein Beispiel aus der Kantine: "Ist der Nudelauflauf fleischlos?" – "Ja." – "Also ganz ohne Fleisch, Fisch oder Speck?" – "Doch, Speck ist schon drin. Aber das ist doch nur für den Geschmack." Oder etwas heftiger, so in einem Münchner Biergarten geschehen: "Sind die Röstkartoffeln ohne Speck?" – "Du trägst Lederschuhe, also wirst Du doch wohl auch noch einen anständigen Speck vertragen!"
Ich denke nicht, dass man Tiere nicht töten darf und deshalb auf Fleisch verzichten muss. Um ehrlich zu sein finde ich diese These sogar reichlich daneben. Schließlich ist der Mensch ein Omnivore (also ein Allesfresser, was man alleine schon an seinem Gebiss erkennen kann). Der Mensch ist nicht in erster Linie ein Raubtier, aber Tiere standen schon seit langer Zeit auf seinem Speiseplan.
Wenn ich aber höre, dass viele Menschen sich zwar täglich – am besten morgens, mittags und abends – Fleisch und Wurst reinstopfen und dann, wenn sie im Fernsehen einen Bericht über Schlachtungen sehen, sagen: "Oh, das arme Kälbchen. Da kann ich gar nicht zusehen…" dann ist da ein wichtiger Bezug zur eigenen Nahrung verloren gegangen. Tiere werden getötet, damit man Fleisch essen kann. Das Fleisch wächst nicht in der TK-Theke des Supermarkts, auch wenn einige das zu glauben scheinen.
Und genau in diesem übertriebenen Fleischverzehr liegt ein großes Problem. In den westlichen Industrieländern ist die Nachfrage nach Fleisch so groß, dass die Herstellung ein rein industrieller Vorgang ist. Massentierhaltung und Tiertransporte sind nur eine der vielen Folgen, über die der Großteil der Bevölkerung sich gerne empört – und stillschweigend dennoch in Kauf nimmt. Denn sonst wären die Fleischpreise so nicht zu halten und man müsste darauf verzichten. Dabei wäre ein maßvoller Fleischgenuß, bei dem man auf Qualität und nicht auf Menge schaut, wesentlich gesünder, befriedigender und auch ethischer.
Die Gesundheit mag für einige ein Grund sein, Vegetarier zu werden (zum Beispiel verträgt mein Magen Fleisch nicht besonders gut, vielleicht auch ein Grund, warum es mir nicht schmeckt). Ob es wirklich gesünder ist sollen Studien klären (meiner Meinung nach ist eine ausgewogene Ernährung mit maßvollem Fleischanteil der beste und natürliche Weg). Zumindest aber kann ich nach über 20 Jahren vegtarischer Ernährung sagen, dass sie auch nicht schädlich ist. Meine Blutwerte weisen auf keinerlei Mangelerscheinungen hin, die durch den Fleischverzicht kommen würden.
Sei es Eisen, Eiweiß oder B12 – alles kein Problem, wenn man sich ausgewogen ernährt. Laut etlichen Studien ist die Lebenserwartung von Vegetarieren deutlich höher als der Bevölkerungsdurchschnitt. Allerdings gilt das auch für Menschen, die gelegentlich Fleisch (ca. 2x die Woche plus 1x die Woche Fisch) essen. Im Umkehrschluss bedeutet das alles hauptsächlich dass der übertriebene Fleischkonsum schädlich ist.
Getreide und Pflanzen sind effizientere Nahrungsmittel als Tiere. Man muss eine enorme Menge Pflanzennahrung in eine Kuh stecken damit diese geschlachtet werden kann. Vergleicht man die Menge an Menschen, die man nun mit dem Fleisch der Kuh oder den Planzen ernähren könnte, so zeigt sich, dass die "Veredelung" deutlich ineffizienter ist. Wenn nun aber Vegetarier fordern, man müsse nur weltweit auf Fleisch verzichten und alle wären satt, dann ist das reichlich weltfremd. Denn viele Menschen wollen Fleisch essen und man wird das nicht verhindern können.
Dennoch schadet es sicher nicht, sich mehr Gedanken über die eigene Ernährung zu machen. Ob man nicht mehr regionale Produkte kauft und dabei auf eine bestimmte Qualität achtet. Du merkst schon, es geht hier wieder in die Richtig des maßvollen und bewußten Konsums. Weniger Fleisch zu essen bringt mehr Anbauflächen für Getreide und Gemüse und vielleicht auch weniger Massentierhaltung.
Die Ernährung, also was wir an Nahrungsmitteln unseren Körpern zuführen, ist ein Thema, über das man sich genauer Gedanken machen sollte als viele Menschen das aktuell tun. Einen vorgegebenen Weg gibt es dabei nicht, jeder muss für sich seinen eigenen finden. Dabei lohnt es sich aber auf Qualität zu achten und bewußt einzukaufen. Zu dem Thema gehören u.a. auch Kartoffeln und Äpfel aus Südamerkika, die man hier in jedem Supermarkt bekommt. Ich frage mich nur, ob das so sein muss, vor allem bei Produkten die es regional ebenfalls in hervorragender Qualität gibt. Hier empfiehlt es sich über den eigenen Tellerrand zu blicken und genauer darüber nachzudenken, was man zu sich nimmt und welche Auswikrungen das haben kann.
Ich bin seit 1989 Ovo-lacto-Vegetarier, d.h. ich esse weder Fleisch noch Fisch – schon aber Honig, Milch und Eier.
Wer mehr über die fleischlose Ernährung wissen möchte findet eine gute Grundlage an Informationen auf diesen Seiten:
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© 2011 Tommy Heinig.