Als Vegetarismus wird eine Ernährungsweise des Menschen bezeichnet, bei der der Verzehr von Fleisch und Fisch bewusst vermieden wird. Einige Formen des Vegetarismus schließen auch Nahrungsmittel aus, die von Tieren produziert werden – beispielsweise Eier, Milchprodukte oder Honig.
Für einen Teil der Vegetarier ist die vegetarische Küche eine ihnen zusagende Ernährungsweise. Andere fassen Vegetarismus als alternative Lebensweise auf, machen daraus ein weltanschauliches Konzept oder bauen ihn in ein solches ein. Dabei geht es meist um ein gesteigertes Gesundheitsstreben oder um ethische Ideale. Vegetarier sind in der westlichen Welt mit durchschnittlich 1,5 bis 2,5 Prozent Anteil an der Bevölkerung vertreten, in Indien mit bis zu geschätzten 40 Prozent.
Eine vegetarische Ernährung führt doch zu Mangelerscheinungen?
Eine bewußte und ausgewogene fleischlose Ernährung enthält alle notwendigen Nährstoffe (Vitamine, Eiweiße, Fette, Kohlenhydrate und Mineralstoffe) in für den Menschen ausreichender Menge. Dies wurde in mehreren Studien belegt. Ebenso wie bei einer fleischhaltigen Ernährung ist aber das Zauberwort "ausgewogen". Grundsätzlich ist eine vollwertige vegetarischen Ernährung für jede Lebensphase geeignet, inklusive während der Schwangerschaft, Stillzeit, Kindheit und in der Pubertät.
Umgekehrt ist der Fleischkonsum laut Meinung etlicher Ernährungsexperten eine der Hauptursachen verbreiteter Zivilisationskrankheiten: Diabetes, Gicht, Fettleber, Wasserablagerungen, Rheuma, Allergien, Stoffwechselstörungen, Herz- & Kreislauferkrankungen, Krebs. Die Ursache vieler Krankheiten und Allergien findet sich im tierischen Eiweiß. Zahlreiche Studien haben diese Zusammenhänge eindeutig nachgewiesen. Einige Hautkrankheiten, z.B. Neurodermitis, sind häufig durch eine vegetarische oder vegane Ernährung zu mildern.
Die Lebensbedingungen in der Massentierhaltung erfordern einen hohen Einsatz von Arzneimitteln, die wir über den Fleischverzehr aufnehmen (z.B. Antibiotika, Hormone, Psychopharmaka, Tranquilizer). Gifte aus Futtermitteln, die in Monokultur erzeugt wurden, reichern sich ebenfalls im Fleisch an. Auch der sog. Rinderwahnsinn (BSE) war eine direkte Folge der Massentierhaltung: Pflanzen fressende Rinder wurden seit Beginn der 80er Jahre von der Agrarindustrie gezwungen, zu , „Kraftfutter“ verarbeitete Schafs-Kadaver zu fressen, um noch mehr Fleisch bzw. Milch zu produzieren. Diese Schafe waren teilweise an der Seuche „Scrapie“ verendet. BSE kann z.B. durch Fleischverzehr infizierter Tiere auf den Menschen übertragen werden und endet immer tödlich (BSE ist identisch mit dem Creutzfeld-Jacob-Syndrom).
Warum ist eine fleischlose bzw. fleischarme effizient?
Aus 10 kg Getreide kann nur 1 kg Rindfleisch gewonnen werden. Den Rest braucht das Rind für seine Lebenserhaltung. Wer sich über den "Umweg" von Fleisch ernährt, verbraucht also viel mehr Pflanzen als bei der vegetarischen Lebensweise. Mit 1 Hektar Kartoffeln können z.B. 11 Menschen mit genügend Eiweiß und 17 mit genügend Kalorien versorgt werden – durch Viehzucht dagegen nur maximal 3 Menschen.
Ähnlich liegen die Verhältnisse beim Wasserverbrauch: Für die Produktion von einem Kilo Rindfleisch werden 15m³ Wasser benötigt, für ein Kilo Getreide reichen schon 0,5 bis 3m³ Wasser. Wenn das Land zum Ackerbau verwendet wird, lassen sich auf der gleichen Fläche mit Eiweiß 4 bis 7 mal mehr Menschen ernähren als bei Fleisch- und Milchwirtschaft.
Der in der modernen Zeit enorm angestiegene Fleischverbrauch hat die Massentierhaltung zu einem profitablen Geschäft gemacht. Das hat die Lebenssituation der Tiere dramatisch verschlechtert. Massentierhaltung bedeutet in fast allen Fällen eine ununterbrochene Qual durch unerfüllte Bedürfnisse und unentrinnbare Zwänge (extrem enge Platzverhältnisse, keine Ruheplätzen, Verkümmerung von Körperteilen, nicht artgemäße Nahrung, keine sozialen Kontakte, Kanibalismus etc.). Diese Intensivhaltung ist die direkte Folge der Nachfrage nach billigem Fleisch.
Fördert Fleischkonsum die Zerstörung der Natur?
Ein Nebeneffekt der Massentierhaltung ist der sogenannte saure Regen – zumindest zu einem relevatenten Teil. Die Verdunstung von Ammoniak aus der Gülle der Massentierhaltung führt zur Bildung von Salpetersäure, die als Niederschlag (gemischt mit Stoffen aus der industriellen Produktion) die Natur beeinträchtigt. Langfristig bewirkt saurer Regen die Auswaschung notwendiger Nährmetalle aus dem Wurzelbereich der Bäume sowie die Freisetzung leicht giftigen Aluminiums. Laut einer Studie gehen in den Niederlanden ca. 30% des Waldsterbens auf die Massentierhaltung zurück – Ammoniakwolken aus der Gülle sind noch in Lappland nachweisbar.
Der südamerikanische Regenwald wird gerodet, um Anbauflächen für Futtermittel sowie Weideflächen zu schaffen. Die Zerstörung von riesigen Regenwaldgebieten ist die Folge. Der Wasserhaushalt, das Klima und der Kohlendioxidgehalt der Luft unserer Erde werden dadurch nachhaltig verändert – Folgen die wir auch weit weg vom Regenwald in Europa spüren.
Laut einer Studie der Landwirtschaftsorganisation der UNO aus dem Jahr 2006 ist die Erzeugung tierischer Lebensmittel für ca. 18% aller klimawirksamen Emissionen verantwortlich und liegt damit z.B. noch vor dem Verkehrssektor (hinter den Industrieanlagen). Die Emissionen an Treibhausgas liegen für ein Kilogramm Rindfleisch bei 13 kg CO2-Äquivalenten, für ein Kilogramm Schweinefleisch bei 2 kg, für ein Kilogramm Kartoffeln aber nur bei 240 g und für ein Kilogramm Gemüse bei 150 g CO2-Äquivalenten.
Was hat der Hunger in der Welt mit unserem Fleischkonsum zu tun?
Einen Teil der Antwort liefert bereits der vorherige Punkt – die Effizienz der fleischlosen Nahrungsmittel. Ein anderer Teil liegt darin begründet, dass das viele Vieh für die Fleischnachfrage der Industriestaaten ernährt werden muss.
Ohne die massiven Futtermittelimporte aus der 3. Welt könnten unsere Fleischmengen überhaupt nicht produziert werden. Auf den landwirtschaftlichen Flächen dieser Regionen wird pflanzliche Nahrung angebaut und als Futtermittel in die Industrieländer gebracht, um hier als Mastfutter zu dienen.
Fressen und gefressen werden. Ist das nicht ganz natürlich?
Doch, das ist es. Leider haben das aber viele Menschen vergessen. Viele Menschen würden sich fleischlos ernähren, wenn sie die Tiere selbst töten müssten oder zumindest sich bewußt machen was da geschieht. Es hat eine Entfremdung stattgefunden, die uns Fleisch nur mehr als Produktionsgut aus der Ladentheke wahrnehmen lässt. Deshalb muss man nicht auf den Konsum verzichten, sollte sich aber klar machen was man isst und zumindest darauf achten, aus welcher Quelle es stammt.
Die Wörter »Vegetarismus« und »Vegetarier« sind seit Ende des 19. Jahrhunderts verwendete und heute allgemein gebräuchliche gekürzte Übersetzungen der englischen Begriffe »vegetarianism« und »vegetarian«. Das englische Wort »vegetarianism« ist eine moderne Kunstbildung, abgeleitet von vegetation („Pflanzenwelt“) und vegetable („pflanzlich“, „Gemüse“). Der Begriff »vegetarian« ist erstmals 1839 belegt – allgemein gebräuchlich wurde er erst durch die Gründung der englischen Vegetarian Society im Jahr 1847.
Alle Formen vegetarischer Ernährung basieren auf pflanzlichen Lebensmitteln, wobei auch Pilze und Produkte aus Bakterienkulturen akzeptiert werden. Es werden vier Formen unterschieden: Die ovo-lacto-vegetarische Kost bezieht zusätzlich Eier und Milchprodukte, die lacto-vegetarische Kost nur Milchprodukte mit ein. Die ovo-vegetarische Kost wird lediglich durch den Konsum von Eiern ergänzt, während die streng vegetarische Kost alle Lebensmittel tierischen Ursprungs meidet.
Im Allgemeinen schließt der Vegetarismus auch weitere Stoffe aus, die aus geschlachteten Tieren hergestellt werden, etwa Gelatine und Schmalz. Ein Teil der Vegetarier meidet darüber hinaus Produkte, bei deren Produktion ebenfalls von Tieren stammende, nicht deklarierungspflichtige Verarbeitungshilfsstoffe (etwa tierisches Lab in Käse) eingesetzt, oder die mit derartigen Stoffen „geschönt“ (etwa manche Fruchtsäfte oder Weine) werden.
Ovo-Vegetarier essen Eier, da sie, wenn sie nicht befruchtet sind, keinen lebendigen Organismus enthalten und daher bei ihrem Verzehr kein Lebewesen getötet wird. Der Veganismus vermeidet tierische Produkte nicht nur in der Nahrung, sondern in allen Lebensbereichen.
Auf der anderen Seite bestehen Übergänge zur fleischlosen Ernährung, etwa bei Menschen, die auf Fleisch verzichten, jedoch Fisch und weitere tierische Produkte verzehren. Von zeitweisem oder gelegentlichem Fleischkonsum unterbrochener Vegetarismus wird als Teilzeitvegetarismus oder Flexitarismus beschrieben – demnach handelt es sich bei Flexitariern um Vegetarier, die nur gelegentlich Fleisch essen.
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© 2011 Tommy Heinig.